HANDLUNGSKULTUR IN KIRCHE UND GESELLSCHAFT

Symposium 2018, Split, Kroatien

Die Auseinandersetzung zwischen einer offenen demokratischen und partizipativen Handlungskultur auf der einen Seite und einer diffusen und immer stärkeren Tendenz zu einem autoritären Führungsstil auf der anderen Seite wurde während der letzten Jahre zum signifikanten Phänomen in der Politik sowie in der Kirche. Dadurch ist das gesamte Klima in der Gesellschaft gekennzeichnet.
In den letzten 50 Jahren spielt die katholische Kirche eine führende Rolle in der Bemühung um die weltweite Umsetzung der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit. Dieser Einsatz der Kirche nach außen setzt eine transparente und gerechte Handlungskultur nach innen voraus. Ein kirchlicher Amtsträger, der sich für den freien Meinungsaustausch in der Gesellschaft einsetzt und zugleich jede Kritik innerhalb der Kirche missachtet, verliert an Glaubwürdigkeit, sowie derjenige, der sich für eine familienfreundliche Gehalts- und Steuerpolitik des Staates äußert, aber die Löhne der eigenen Mitarbeiter am möglichst niedrigstem Niveau hält.
Die modernen Unternehmen haben oft nicht nur ihre eigenen Werbestrategien und Kleidungskodexe, sondern auch eigene Philosophien, die sich in einer Vielfalt von Verhaltensmustern widerspiegeln. Die Philosophie der Kirche als Organisation kann nicht eine andere sein, als die Philosophie der Kirche als Gemeinschaft. Daher soll das Evangelium zu einer Quelle der Handlungskultur der Kirche werden. Durch die in der Kirche zu herrschende „Kultur des Lebens“ sollte sich auch die Handlungskultur der gesamten Gesellschaft ändern lassen, damit sie nicht mehr zum Tod hinführt oder die „Skartierung“ produziert, sondern dem Leben dient.
Dieses Thema beinhaltet vor allem sozialethische Aspekte, aber auch die ganz praktische Problematik der konflikthaften Verbindungen zwischen Management und Diakonie, Freiheit und Disziplin, Effizienz und Teilnahme. Wenn es über die binnenkirchliche Umgangskultur gesprochen wird, handelt es sich um ein pastoraltheologisches Thema. Die Kriterien für die Bewertung der unterschiedlichen Verhaltensmodelle sollen nämlich der Sendung der Kirche entsprechen. Die Überlegungen über die politische Kultur (in der Gesellschaft) gehören gleichfalls in den Bereich der Pastoraltheologie, soweit die Präsenz der Kirche in der Gesellschaft als Diakonia in und an der Gesellschaft verstanden wird.
Ziel der Tagung war die Vergewisserung von Zusammenhängen zwischen Management und Sendung, Idealen und Strategien, Fundraising und Solidarität, zwischen Agapé und dem alltäglichen Umgang mit Menschen, Ressourcen und Risiken.
Doz. Dr. Michal Kaplánek

 
 

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